Was bedeutet „Tagessätze“ im Strafbefehl?

Was bedeutet „Tagessätze“ im Strafbefehl?

Was bedeuten Tagessätze? Tagessätze tauchen in jedem Strafbefehl auf, der zu einer Geldstrafe verurteilt. Für den Beschuldigten ist es wichtig, das Konzept der Tagessätze zu verstehen, um die Konsequenzen einschätzen zu können.

Wenn Sie einen Strafbefehl erhalten haben, werden Sie wahrscheinlich mit dem Begriff „Tagessatz“ konfrontiert. Dies ist besonders wichtig zu verstehen, da die Anzahl der Tagessätze nicht nur die Höhe der Geldstrafe bestimmt, sondern auch weitreichende Folgen für Ihr Führungszeugnis und damit für Ihre berufliche Zukunft haben kann.

In diesem Artikel erkläre ich alles, was Sie über Tagessätze wissen müssen, damit Sie Ihren Strafbefehl besser verstehen und fundierte Entscheidungen treffen können.

Was genau sind Tagessätze?

Tagessätze sind die Berechnungseinheit für Geldstrafen im deutschen Strafrecht. Das System der Tagessätze wurde eingeführt, um eine gerechte Bestrafung zu ermöglichen, die sowohl die Schwere der Tat als auch die finanzielle Situation des Täters berücksichtigt.

Die Geldstrafe setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

  1. Die Anzahl der Tagessätze: Sie spiegelt die Schwere der Tat wider und wird unabhängig von Ihrem Einkommen festgelegt.
  2. Die Höhe eines einzelnen Tagessatzes: Sie orientiert sich an Ihrem Nettoeinkommen und soll in der Regel einem Dreißigstel Ihres monatlichen Nettoeinkommens entsprechen.

Die Gesamtstrafe ergibt sich aus der Multiplikation dieser beiden Werte: Anzahl der Tagessätze × Höhe eines Tagessatzes = Geldstrafe in Euro.

Beispiel für die Berechnung von Tagessätzen

Nehmen wir an, Sie haben einen Strafbefehl erhalten, der 30 Tagessätze zu je 40 Euro vorsieht:

  • Anzahl der Tagessätze: 30 (reflektiert die Schwere der Tat)
  • Höhe eines Tagessatzes: 40 Euro (basiert auf Ihrem Einkommen)
  • Gesamtgeldstrafe: 30 × 40 Euro = 1.200 Euro

Warum ist die Anzahl der Tagessätze so wichtig?

Die Anzahl der Tagessätze hat eine besondere Bedeutung, die über die reine Berechnung der Geldstrafe hinausgeht:

  • Bei mehr als 90 Tagessätzen gilt man als vorbestraft, was im Führungszeugnis eingetragen wird.
  • Bei 90 oder weniger Tagessätzen erfolgt kein Eintrag im Führungszeugnis, sofern es sich um die erste Verurteilung handelt.
  • Bei bestimmten Berufen oder für die Erlangung bestimmter Lizenzen kann jedoch auch eine Verurteilung zu weniger als 90 Tagessätzen relevant sein, da sie im Bundeszentralregister eingetragen wird.

Wichtig: Schon ab 60 Tagessätzen kann ein Strafbefehl weitreichende Konsequenzen haben, besonders für bestimmte Berufsgruppen oder bei Einbürgerungsverfahren.

Was tun, wenn die Tagessätze zu hoch angesetzt sind?

Wenn Sie der Meinung sind, dass die Anzahl der Tagessätze zu hoch ist oder die Höhe des einzelnen Tagessatzes nicht Ihrem tatsächlichen Einkommen entspricht, können Sie Einspruch gegen den Strafbefehl einlegen.

Der Einspruch muss innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Strafbefehls schriftlich beim zuständigen Gericht eingehen. Es ist ratsam, sich vorab rechtlichen Rat einzuholen, um die Erfolgsaussichten abzuschätzen und das weitere Vorgehen zu planen.

Fazit: Tagessätze richtig verstehen und handeln

Das Verständnis des Tagessatzsystems ist entscheidend, um die Tragweite eines Strafbefehls richtig einschätzen zu können. Besonders die Anzahl der Tagessätze sollte genau geprüft werden, da sie über die Frage der Vorstrafe entscheidet.

Bei Unklarheiten oder wenn Sie der Meinung sind, dass die Tagessätze in Ihrem Fall nicht angemessen sind, sollten Sie nicht zögern, rechtlichen Rat einzuholen. Ein fachkundiger Anwalt kann Ihnen helfen, die beste Vorgehensweise zu ermitteln und Ihre Rechte zu wahren.

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    FAQ

    Häufige Fragen zu den Tagessätzen bei einem Strafbefehl.

    Ab wie vielen Tagessätzen gilt man als vorbestraft?

    Die entscheidende Grenze liegt bei 90 Tagessätzen. Bei 90 oder weniger Tagessätzen und einer Erstverurteilung erfolgt kein Eintrag im Führungszeugnis – Sie gelten dann im Alltag nicht als vorbestraft und dürfen sich nach § 53 BZRG auch offiziell als „unbestraft“ bezeichnen. Allerdings wird jede Verurteilung im Bundeszentralregister gespeichert.


    Was ist der Unterschied zwischen Bundeszentralregister und Führungszeugnis?

    Im Bundeszentralregister wird jede Verurteilung eingetragen, auch unter 91 Tagessätzen. Einsicht haben nur Gerichte, Staatsanwaltschaften und bestimmte Behörden. Das Führungszeugnis hingegen zeigt nur Verurteilungen über 90 Tagessätze oder Zweitverurteilungen – dieses können Arbeitgeber oder andere Stellen von Ihnen verlangen.


    Warum ist auch eine niedrige Tagessatzanzahl problematisch?

    Auch eine Verurteilung unter 91 Tagessätzen bleibt fünf Jahre im Bundeszentralregister gespeichert. Kommt in dieser Zeit eine weitere Verurteilung hinzu – selbst für eine fahrlässige Tat –, erscheinen beide Einträge im Führungszeugnis. Dann gelten Sie als vorbestraft, obwohl jede Strafe für sich unter der 90-Tagessatz-Grenze lag.


    Wie wird die Höhe des einzelnen Tagessatzes ermittelt?

    Der Tagessatz entspricht einem Dreißigstel Ihres monatlichen Nettoeinkommens. Bei 1.500 Euro netto ergibt sich ein Tagessatz von 50 Euro. Das Gericht darf das Einkommen schätzen, wenn keine genauen Angaben vorliegen – das führt häufig zu überhöhten Annahmen. Unterhaltslasten und feste Ausgaben können mindernd berücksichtigt werden.


    Kann ich gegen die Anzahl oder Höhe der Tagessätze vorgehen?

    Ja, durch einen Einspruch gegen den Strafbefehl innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung. Der Einspruch kann auch beschränkt werden, etwa nur auf die Tagessatzhöhe. Häufig werden Tagessätze zu hoch angesetzt, weil das Einkommen geschätzt wurde oder eine schematische Strafzumessung erfolgte.